Den richtigen Fertigungspartner für Präzisionsdrehteile finden
19. Juni 2026 | Päzisionsdrehteile | Lesezeit: 7 Minuten | Häni + Co. AG

Den richtigen Fertigungspartner für Präzisionsdrehteile finden

Fünf Fragen, die Sie stellen sollten.

Serienfertigung von Präzisionsdrehteilen ist ein Vertrauensgeschäft. Ob ein Fertigungspartner wirklich zur eigenen Produktion passt, zeigt sich nicht im Angebot und nicht beim Werksbesuch. Es zeigt sich, wenn derselbe Auftrag zum zweiten und dritten Mal platziert wird.

Das Problem: Bis dahin hat man bereits investiert; in Zeichnungsklärung, Erstmuster, interne Qualifizierung und Aufbau der Lieferantenbeziehung. Deshalb lohnt es sich, die entscheidenden Fragen vor dem ersten Auftrag zu stellen.

Was bei der Beschaffung von Präzisionsdrehteilen typischerweise unterschätzt wird

Viele Beschaffungsprozesse für Präzisionsdrehteile konzentrieren sich auf Stückpreis, Lieferzeit und Zertifizierung. Das sind notwendige Kriterien, aber nicht hinreichende.

Was seltener gefragt wird, aber mehr Einfluss auf die tatsächlichen Gesamtkosten hat:

  • Wie reproduzierbar ist die Qualität über mehrere Aufträge hinweg?
  • Wie flexibel ist der Lieferant, wenn die Stückzahlen im Produktlebenszyklus steigen oder sinken?
  • Was passiert prozessual, wenn ein Los Abweichungen zeigt?
  • Kann der Lieferant Fertigungswissen in die Konstruktionsphase einbringen?
  • Wie stabil ist die Lieferkette bei Rohmaterialengpässen?

Diese Fragen lassen sich nicht mit einem Datenblatt beantworten. Sie erfordern ein Gespräch.

Die fünf Fragen im Detail

1. Können Sie Messprotokolle aus dem laufenden Serienbetrieb zeigen?

Nicht das Erstmuster, sondern die Prüfprotokolle aus mehreren aufeinanderfolgenden Aufträgen desselben oder eines vergleichbaren Bauteils. Was diese Frage zeigt: ob Qualitätsdaten systematisch erfasst und aufbewahrt werden, nicht nur für den Auditfall.

Ein CAQ-System erfasst Messwerte strukturiert und verknüpft sie mit Auftragsnummer, Maschine und Rohmaterialcharge. Was konkret zu verlangen ist: Messprotokolle mit Soll-/Ist-Werten für alle toleranzrelevanten Masse, Angabe des Messmittels und des Prüfers, Datum und Losnummer.

2. Wie flexibel ist der Lieferant, wenn die Stückzahlen im Produktlebenszyklus steigen oder sinken?

Produktionsmengen entwickeln sich selten exakt wie geplant. Neue Produkte starten langsamer als erwartet, erfolgreiche Produkte wachsen schneller. Ein geeigneter Fertigungspartner sollte beides abfangen können.

Worauf es ankommt:

1. Verfügt der Lieferant über unterschiedliche Fertigungstechnologien für verschiedene Losgrössen?

2. Können steigende Bedarfe ohne Qualitätsverlust und lange Vorlaufzeiten aufgefangen werden?

3. Ist eine wirtschaftliche Fertigung auch bei kleineren Serien möglich?

4. Gibt es Reserven im Maschinenpark oder alternative Fertigungswege?

Ein breiter Maschinenpark schafft dabei mehr Flexibilität als einzelne hochspezialisierte Anlagen. Konventionelle Einspindelautomaten eignen sich oft für mittlere Serien, während Mehrspindelmaschinen und Rundtaktautomaten ihre Stärken bei hohen Stückzahlen ausspielen. CNC-Drehmaschinen ermöglichen zusätzlich eine wirtschaftliche Fertigung komplexer Geometrien und variabler Losgrössen.

Fragen Sie konkret nach Beispielen, bei denen sich Kundenbedarfe innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert haben. Die Antwort zeigt meist schnell, wie flexibel die Organisation tatsächlich ist.

3. Was passiert prozessual, wenn ein Los Abweichungen zeigt?

Abweichungen kommen vor, auch bei sehr guten Fertigungsprozessen. Was einen stabilen Prozess ausmacht, ist nicht die Abwesenheit von Problemen, sondern der definierte Umgang damit.

  • Sofortige Information an den Kunden — bevor das Los ausgeliefert wird
  • Sperrung des betroffenen Loses und Prüfung, ob weitere Lose betroffen sind
  • Ursachenanalyse mit dokumentiertem Ergebnis
  • Massnahme und Nachweis der Wirksamkeit beim Folgeauftrag

Fragen Sie nach einem konkreten Beispiel aus der Praxis.

4. Können Sie Co-Engineering anbieten und was meinen Sie damit?

Entwicklungspartnerschaft und Co-Engineering bedeuten konkret:

  • Der Fertigungspartner prüft eine Zeichnung auf Fertigbarkeit: Sind die Toleranzangaben mit dem gewählten Verfahren und Werkstoff wirtschaftlich haltbar?
  • Er gibt eine Einschätzung zur Werkstoffwahl auf Basis der Anwendung.
  • Er empfiehlt Geometrieanpassungen, die die Fertigung vereinfachen ohne die Funktion zu beeinträchtigen.

Was nach der Zeichnungsfreigabe korrigiert wird, kostet ein Vielfaches von dem, was vorher geklärt worden wäre.

5. Wie sieht Ihre Rohmaterialsituation aus?

Supply Chain Sicherheit ist ein zentrales Thema. Bei Präzisionsdrehteilen ist das Rohmaterial direkt von globalen Lieferketten abhängig.

  • Hält der Lieferant eigene Rohmaterialbestände?
  • Hat er mehrere Rohmateriallieferanten für dieselben Werkstoffe?
  • Wie lange sind typische Lieferzeiten für Sonderwerkstoffe?

Was bei der Erstmusterbewertung oft übersehen wird

Das Erstmuster ist der erste Schritt der Qualifizierung, nicht der letzte. Häufige Fehler:

  • Nur Massprotokoll, kein Prozessnachweis: Das Erstmuster sagt aus, dass ein Teil gefertigt werden kann — nicht, ob das in der Serie reproduzierbar ist.
  • Kein Rohmaterialnachweis: Ohne Werkstoffzertifikat fehlt der Nachweis, dass das richtige Material verwendet wurde.
  • Freigabe ohne Serienprüfplan: Mit der Erstmusterfreigabe sollte gleichzeitig der Prüfplan für die Serie festgelegt werden.

Wer diese fünf Fragen stellt und ehrliche Antworten bekommt, hat eine solide Grundlage für die Lieferantenentscheidung. Kein Prozess ist perfekt, und kein Lieferant wird auf alle Fragen eine makellose Antwort haben. Was zählt, ist die Art, wie geantwortet wird: konkret, nachweisbar und ohne Ausweichen.

Wenn Sie sich bei einem dieser Punkte unsicher sind oder wissen möchten, wie wir bei Häni + Co. AG konkret antworten würden, stehen wir für ein erstes Gespräch gerne zur Verfügung.

Drehteile

Häufige Fragen (FAQ)

  • Wann ist Co-Engineering bei Präzisionsdrehteilen sinnvoll
    Co-Engineering ist immer dann sinnvoll, wenn die Konstruktion noch nicht final ist. Je früher im Entwicklungsprozess, desto grösser der Einfluss auf Kosten und Qualität. Was in der Konzeptphase als Empfehlung einfliesst, kostet nichts. Was nach der Serienstartfreigabe geändert wird, kostet Zeichnungsänderungen, neue Erstmuster und im schlechtesten Fall bereits produzierte Ausschussteile.
  • Was sollte ein Erstmusterprüfbericht enthalten?
    Mindestens: Zeichnungs-Revisionsstand, alle Masse mit Soll-/Ist-Werten, Oberflächenrauheitsmessungen, Rohmaterialzertifikat mit Schmelznummer, Angaben zu den verwendeten Messmitteln und deren Kalibrierstatus, Fertigungsdatum und Losnummer. Bei sicherheitsrelevanten Anwendungen kommen Prozessparameter-Dokumentation und erweiterte Werkstoffprüfungen dazu.
  • Welche Fertigungsverfahren sind für Präzisionsdrehteile in der Serienfertigung relevant?
    Mehrspindler und Rundtaktautomaten für Mittel- und Grossserien (20’000 bis über 1’000’000 Stück). CNC-Einspindler für komplexe Geometrien und variable Losgrössen. Die Wahl hängt von Geometrie, Werkstoff, Toleranzanforderung und Losgrösse ab.
  • Was sind typische Fehler bei der Lieferantenqualifizierung für Präzisionsdrehteile?
    Freigabe nur auf Basis des Erstmusters ohne Serienprüfplan. Kein Rohmaterialnachweis beim Erstmuster. Keine Klärung des Abweichungsmanagements vor dem ersten Auftrag. Bewertung nur nach Stückpreis ohne Berücksichtigung der Gesamtkosten.
  • Wie wichtig ist ISO 9001 bei der Lieferantenauswahl?
    ISO 9001 ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Grundlage. Das Zertifikat bestätigt, dass ein Qualitätsmanagementsystem dokumentiert und auditiert wurde. Es sagt nichts darüber aus, wie das System im Alltag gelebt wird. Die entscheidenden Fragen Prozessstabilität, Kapazitätsflexibilität und Abweichungsmanagement gehen über das Zertifikat hinaus.
  • Wer ist Häni + Co. AG?
    Die Häni + Co. AG (1939) ist ein Schweizer Familienunternehmen, welches sich auf die Fertigung von kundenspezifischen Präzisionsdrehteilen spezialisiert hat. Unsere Stärke liegt in der wirtschaftlichen Fertigung technisch anspruchsvoller Präzisionsdrehteile in mittleren bis grossen Serien sowie in der engen technischen Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Mit 65 Mitarbeitenden und einem vielseitigen Maschinenpark aus konventionellen und CNC-gesteuerten Einspindlern, Mehrspindlern sowie Rundtaktautomaten fertigen wir in Arch/BE einbaufertige Präzisionsdrehteile im Durchmesserbereich von 1 bis 65 mm.
    Zu unseren Kunden zählen Unternehmen aus den Bereichen Gebäudetechnik und Automation, Mobilität, Elektronik und Verbindungstechnik, Medizin- und Labortechnik, Robotik und Sensorik sowie erneuerbare Energien.
    Unsere nach IATF 16949, ISO 13485, ISO 14001 und ISO 9001 zertifizierten Prozesse gewährleisten eine hohe Prozesssicherheit und erfüllen höchste Qualitäts- und Umweltstandards. Zur Erfüllung der hohen Anforderungen unserer weltweit agierenden Kunden ergänzen wir den Drehprozess häufig durch zusätzliche interne Bearbeitungsschritte wie Honen, Centerless-Schleifen, Gleitschleifen oder Glattwalzen. Ergänzende Oberflächenbehandlungen, insbesondere galvanische Beschichtungen, werden durch langjährige und qualifizierte Partnerunternehmen ausgeführt.
    Wir begleiten unsere Kunden von der Entwicklungsphase über die Industrialisierung bis zur termingerechten Serienlieferung als kompetenter und zuverlässiger Partner.

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